Schwule Männer und Frauenchöre

lgbtDer Männergesangsverein ist ein Teil der deutschen Tradition der Gesangsvereine. Er hat aber, seitdem wir die Rechte von Schwulen und Lesben mehr anerkennen, auch zu einer Form geführt, die manche Gründungsväter etwas verwundert hätten. Denn mehr und mehr gründen sich schwule Männergesangsvereine – oder grammatikalisch sauberer Männergesangsverein mit schwulen Mitgliedern. Da es aber auch Frauengesangsvereine gibt und damit auch solche mit lesbischen Mitgliedern, spricht man heute vom homosexuellen Gesangsvereinen.

Die ersten Chöre mit homosexuellen Mitgliedern kamen im Rahmen der sexuellen Befreiung in den 70er Jahren in den USA auf. Der erste war wohl “Women Like Me”, der 1971 in New York als lesbischer Chor gegründet wurde. Der erste schwule Männerchor, der “San Francisco Gay Men’s Chorus (SFGMC)”, wurde 1978 ins Leben gerufen. Seine Reise durch die USA inspirierte auch andere schwule Männer, Chöre zu gründen.

In Deutschland dauerte es etwas, bis sich die ersten Männer trauten, aus der konservativen Tradition des Männergesangsvereins auszubrechen. Der Hamburger Tuntenchor dürfte der erste Homosexuellen-Chor gewesen sein der vom legendären Corny Littmann 1980 ins Leben gerufen wurde, aber sich schon im Gründungsjahr wieder auflöste. Die Rheintöchter aus Köln dürften der älteste noch bestehende Lesbenchor sein, sie singen seit 1984. Bei den Männern bestehen einige Chöre seit 1987, darunter die Formation Homophon aus Münster und die Mainsirenen aus Frankfurt am Main.

Insgesamt gibt es heute knapp 50 schwule, lesbische und gemischte Chöre und Gesangsvereine. Während sich die traditionellen Vereine und Chöre einst an der Vergangenheit oder dem Gründungsort erinnernde Namen gegeben haben, geht es bei den Homosexuellen-Chören etwas lustiger zu. Hier sind Namen wie die Schrillerlocken, Warme Wellen, Die Queerflöten oder die Fetten Koketten Soubretten keine Seltenheit.

Die meisten Chöre sind übrigens entweder mit homosexuellen Frauen oder Männern besetzt, meist auch in der Leitung. Selten sind gemischte Chöre und ebenso selten finden man Chöre, in denen homosexuelle und heterosexuelle Mitglieder gemeinsam singen.

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